Inflation beschreibt die allgemeine Teuerungsrate. Wir zeigen dir anhand von Beispielen, wie sie sich auf dich und deine Finanzen auswirkt.
- Wie Inflation entsteht
- Mit welcher Teuerung du rechnen musst
- Wie du Gegensteuer geben kannst
Alles wird teurer, das Essen, die Mieten, der Ausgang und andere Freizeitgenüsse. Nach nahezu drei Jahrzehnten mit tiefen bis sehr tiefen Inflationsraten scheint ein regelrechter Teuerungsschub über uns hereingebrochen zu sein. Ist es wirklich so schlimm? Hier erfährst du, was es mit der Inflation auf sich hat, welche Auswirkungen sie auf deinen Alltag haben kann und welche Möglichkeiten du hast, trotz Inflation ein ruhiges Leben zu führen.
Inflation stammt vom lateinischen inflatio ab, was "Aufblähen" bedeutet. Sie entsteht, wenn die Verbraucherpreise von Gütern stetig schneller steigen als die Löhne, wodurch die Kaufkraft sinkt.
Inflation oder Teuerung bedeutet also, dass der Wert deines Geldes sinkt oder das allgemeine Preisniveau steigt. Das ist eine Frage der Sichtweise, der Effekt ist aber derselbe: Du bekommst im Vergleich zu einem früheren Zeitpunkt weniger für dein Geld. Ein Beispiel: Wenn du heute Lebensmittel für dein Zmorge einkaufst, bezahlst du für die Zutaten in deinem Einkaufskorb mehr als vor einem Jahr.
- Butter: + 10,7 Prozent
- Kaffee: + 7 Prozent
- Milch, Käse und Eier: + 5,9 Prozent
Das heisst unter dem Strich, dass du mehr bezahlen musst oder weniger für dein Geld bekommst.
Wenn diese Entwicklung über längere Zeit anhält, büsst du massiv an Kaufkraft ein, wie dir die nachfolgende Aufstellung verdeutlicht – vorausgesetzt, dein Einkommen bleibt gleich. Du verlierst an Kaufkraft allerdings auch dann, wenn dein Einkommen nicht mindestens pro Jahr so viel wie die Inflationsrate steigt.
Jahr | Kaufkraft Anfang Jahr | Inflationsrate | Kaufkraft Ende Jahr |
---|---|---|---|
2021 | 1'000.00 Franken | 3,0 Prozent | 970.00 Franken |
2022 | 970.00 Franken | 3,0 Prozent | 940.90 Franken |
2023 | 940.90 Franken | 3,0 Prozent | 912.67 Franken |
2024 | 912.67 Franken | 3,0 Prozent | 885.29 Franken |
2025 | 885.29 Franken | 3,0 Prozent | 858.73 Franken |
2026 | 858.73 Franken | 3,0 Prozent | 832.97 Franken |
2027 | 832.97 Franken | 3,0 Prozent | 807.98 Franken |
2028 | 807.98 Franken | 3,0 Prozent | 783.74 Franken |
2029 | 783.74 Franken | 3,0 Prozent | 760.23 Franken |
2030 | 760.23 Franken | 3,0 Prozent | 737.42 Franken |
Innerhalb von zehn Jahren würdest du mehr als einen Viertel deiner Kaufkraft einbüssen, wenn die Inflationsrate konstant bei drei Prozent bleibt. Du könntest dir dann nur noch drei Viertel dessen leisten, was du zehn Jahre zuvor kaufen konntest – sofern du nicht jedes Jahr eine Lohnerhöhung von mindestens drei Prozent bekommst.
Wenn dein Geld plötzlich immer weniger wert ist, ist es naheliegend und verständlich, dass du nach den Ursachen der Inflation fragst. Heute ist man sich einig, dass eine Inflation durch drei Szenarien ausgelöst wird.
Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistung ist grösser als das Angebot. Um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen, steigen die Preise. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das, was nach den Lockdowns während der Corona-Pandemie passiert ist. Wir alle sassen zu Hause fest ohne Möglichkeit, viel auszugeben. Als wir uns wieder freier bewegen konnten, wollten alle wieder kaufen. Doch weil inzwischen die globalen Lieferketten durcheinandergerieten, konnte uns der Markt zu wenig von dem geben, was wir wollten. Die Folge: Hohe Nachfrage bei knappem Angebot führt zu höheren Preisen, also zu Inflation.
Hier handelt es sich um eine angebotsbedingte Teuerung. Gewissermassen die Kehrseite der Nachfrage-Inflation. Stell dir vor, dass Güter, die für die Wirtschaft in vielen Bereichen wichtig sind, plötzlich teurer werden. Die Unternehmen werden in diesem Fall zumindest einen Teil der höheren Produktionskosten auf dich als Konsumentin abwälzen. Die Preise für Produkte und Dienstleistungen steigen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Rohstoffpreise etwa für Erdöl aufgrund eines verknappten Angebots anziehen, wie wir es immer mal wieder bei Erdöl erleben.
Bei dieser Inflation spielen die Erwartungen der Marktteilnehmerinnen eine zentrale Rolle. Du als Konsumentin fällst Kaufentscheide auch in Abhängigkeit davon, wie du die zukünftige Teuerung einschätzt. Wenn du denkst, dass Butter, Kaffee, Kleider und Benzin teurer werden, wirst du höchstwahrscheinlich deine Ausgaben drosseln. Auch Unternehmen treffen ihre Investitionsentscheide nach diesem Muster. Ein gutes Beispiel dafür ist die Lohn-Preis-Spirale. Wenn Arbeitnehmerinnen und Gewerkschaften höhere Preise erwarten, werden sie prophylaktisch höhere Löhne fordern. Für Unternehmen bedeuten höhere Löhne höhere Produktionskosten, die sie so weit wie möglich auf dich als Konsumentin abwälzen. In der Folge steigen die Preise.
Stell dir einen typischen Einkaufskorb vor: Brot, Milch, Gemüse, etwas Fisch oder Fleisch und ein Sixpack Bier. Würdest du bei jedem Einkauf aufschreiben, wie viel die einzelnen Artikel gekostet haben, könntest du einfach feststellen, ob die Preise gestiegen oder gesunken sind. Allgemein ausgedrückt muss man die Preisentwicklung beobachten und erfassen, um die Inflationsrate zu bestimmen. Dafür wird ein Warenkorb mit Gütern und Dienstleistungen definiert, die Privathaushalte typischerweise kaufen. In der Schweiz ist das Bundesamt für Statistik dafür verantwortlich. Es erstellt monatlich den Landesindex der Konsumentenpreise (kurz: Landesindex). Die Erhebung umfasst rund 100’000 Preise in etwa 8’000 Verkaufsstellen.
Was liegt nun in diesem «Warenkorb»? Gemäss Bundesamt für Statistik enthält er in der Schweiz eine wirklichkeitsnahe Auswahl von Waren und Dienstleistungen, welche die privaten Haushalte konsumieren. Der Warenkorb ist in zwölf Ausgabenbereiche unterteilt (vgl. Grafik). Wie viel der durchschnittliche Schweizer Haushalt für die einzelnen Bereiche ausgibt, wird mit Stichproben direkt bei den Haushalten ermittelt. Solltest du je angefragt werden, musst du wissen, dass die Teilnahme obligatorisch ist.
Deine persönliche Inflationsrate kann allerdings stark von der durchschnittlichen Inflationsrate abweichen. Wenn du täglich mit dem Auto zur Arbeit fährst, bist du von steigenden Benzinpreisen stärker betroffen als deine Kollegin, die mit dem Velo zur Arbeit fährt.
Lesebeispiel: Schweizer Haushalte geben 26,6 Prozent fürs Wohnen aus, 16,7 Prozent für die Gesundheitspflege und 12,6 Prozent für Verpflegung.
Die jüngste Inflation, die ab Anfang 2022 praktisch alle Wirtschaftsräume der Welt erfasste, hat gezeigt, dass die Preise sehr schnell steigen und dein Budget belasten können. Während die umliegenden Länder Inflationsraten teilweise von über zehn Prozent verzeichnen, fällt die Teuerung bei uns in der Schweiz vergleichsweise moderat aus. Den Höhepunkt erreichte sie mit rund 3,5 Prozent im August 2022, seither geht sie zurück (1,7 Prozent, Stand November 2023). Experten gehen davon aus, dass dieser Trend anhält.
Dass die Inflation so viel Wirbel macht, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass wir in der Schweiz in den letzten 30 Jahren lediglich ein einziges Mal eine Jahresteuerung hatten, die über dem Spitzenwert vom August 2022 lag. In den übrigen Jahren bewegte sie sich auf einem Niveau von meist unter 1 Prozent, in einzelnen Jahren gar unter der Null-Prozent-Grenze – so 2009, 2015 und 2016. Erst ab einer Teuerungsrate von über 5 Prozent spricht man von einer hohen Inflation.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) strebt in der Schweiz eine Inflation von weniger als 2 Prozent an, ebenso die Europäische Zentralbank (EZB) für die Eurozone. Dieser Wert gilt als gut sowohl für die Wirtschaft als auch für dich als Konsumentin. Er sorgt dafür, dass Käufe und Investitionen nicht aufgeschoben, sondern bald getätigt werden. Eine Teuerung auf diesem relativ tiefen Niveau signalisiert dir auch, dass du mit einer stabilen Preisentwicklung rechnen kannst.
Persönlich kannst du wenig gegen eine Teuerungswelle unternehmen. Gibst du zusammen mit vielen anderen weniger aus, leidet das Geschäft der Unternehmen und es besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft in eine Rezession rutscht. Dennoch muss die Inflation kontrolliert und allenfalls bekämpft werden. Am besten können dies die Notenbanken, in der Schweiz also die SNB. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, für Preisstabilität zu sorgen. Einer der wichtigsten Hebel dafür ist die Kontrolle der Zinssätze über den sogenannten Leitzins. Erhöht die SNB den Leitzins, wird es teurer für deine Hausbank, sich bei der SNB Geld zu leihen. Deine Hausbank wird diese Verteuerung an ihre Kundinnen weitergeben, indem sie beispielsweise Kredite und Hypotheken verteuert. Die Absicht hinter der Erhöhung des Leitzinses ist, die Ausgaben zu drosseln und die Nachfrage nach Waren zu bremsen. Eine geringere Nachfrage sollte dann das Preisniveau stabilisieren. Da das Instrument «Zinsanpassung» zeitlich verzögert wirkt, ist der Effekt auf die Inflationsrate nicht sofort sichtbar.
Gesamtwirtschaftliche Prozesse wie die Inflation kannst du nicht massgeblich beeinflussen. Schutzlos der Inflation ausgeliefert bist du aber auch nicht. Einen gewissen Inflationsschutz bieten in erster Linie sogenannte Sachwerte. Das sind zum Beispiel Immobilien, Aktien und Edelmetalle wie Gold sowie Produkte, die darauf aufbauen (z. B. Aktienfonds), aber auch Kunstwerke, teure Uhren und andere Sammelgegenstände. Da erwirbst du in jedem Fall etwas Handfestes. Statt dein Geld auf ein Sparbüchlein zu legen, wo die Inflation das bisschen Zins gleich vernichtet, solltest du daher besser investieren.
Zwar werden praktisch alle Anlageklassen zumindest zeitweise unter der Inflation leiden – die einen bei stark steigender Inflation, die anderen bei abflauender Inflation, die dritten bei steigenden Zinsen. Aber wenn du etwas längerfristig ausgerichtet bist, gibt es gute Möglichkeiten, trotz Inflation die Kaufkraft zu halten und Vermögen aufzubauen. Breit gestreute, weltweit anlegende Aktienfonds gelten als eines der besten Mittel gegen Inflation. Auch sie bergen Risiken, bei einem langjährige Anlagehorizont sind sie jedoch verkraftbar. Und im Unterschied zu Immobilien kannst du bei Aktienfonds schon mit wenig Geld einsteigen. Unser Leitfaden zeigt dir deine Möglichkeiten auf, wie du als Anfängerin investieren kannst.
Viele haben zu grossen Respekt vor dem Investieren. Dabei ist es gar nicht so schwer.
Wir zeigen dir, worauf du achten musst, wo Chancen und Risiken liegen und wie du am besten anfängst.
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